Spaziergang durch den Kiez am Osthafen

Eindrücke

Vom Ostkreuz in Richtung Warschauer Straße gesehen liegt auf der linken Seite zwischen Spree und Bahngleisen der Osthafen Kiez. Während meines dreistündigen Spaziergangs konnte ich diesen Stadtteil neu entdecken. Vor ca. 35 Jahren war ich bereits hier, um Rouladenfleisch zu kaufen. Das war zu DDR-Zeiten ein echter Geheimtipp. Diesen Fleischerladen gibt es leider nicht mehr. Fotografieren auf einem wagenburg-ähnlichen Gelände oder der India-Motorrad-Werkstatt ist nicht erwünscht. Ich bin verunsichert, konzentriere mich auf die Architektur. Das ehemalige Glühlampenwerk ist nicht mehr wieder zu erkennen. Im Kiez gibt es vieles noch aus den Gründerzeiten zu entdecken, wie zum Beispiel Wohn- und Industriebauten. Eine neue Wohnanlage ist im Entstehen. Auf den Spielplätzen tummeln sich viele jungen Familien. Der Rudolplatz, eine umzäunte Gartenanlage, erinnert mich an Paris. Es gibt Berliner Kneipen wie der “Glühlampe” oder die Kiez-Kneipe, Restaurants und andere kleiner Geschäfte. Von Verdrängung ist die Rede. Das “Pane e Vino” und der “Intershop 2000 – Ost-Produkte”, was mehr Geschäft und Museum von Ostwaren und -design ist, sollen geschlossen werden. Irgendwie geht es weiter, höre ich. Neben dem Interschop 2000 befindet sich das Atelier “Burn Art”. Hier entsteht einmalige Kunst. Das Atelier erhält leider zum wiederholten mal eine Ablehnung für eine Teilnahme auf der Kunstbrücke, die zweimal im Jahr auf der Oberbaumbrücke stattfindet. Als Alternative kommt die Bewerbung in Belgien in Frage. Im Kultur- und Nachbarschaftszentrum sehe ich mir die Ausstellung “Gone with the Sand” von Torry J. Kay an. Man berichtet mir, dass die Vernissage vom 21. April 2017 gut besucht war. Ein Stück deutsche Kolonie, welches im Wüstensand versandet. Ein Spaziergang nicht nur durch ein Berlin-Kiez, sondern auch durch die deutsche Geschichte geht zu ende.

Berlin, April 2017

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